Verkehrsbetriebe und Frau Holle
Lieber Verkehrsbetrieb,
mit diesem Text möchte ich meiner Verärgerung Luft machen. Jeden Morgen in dieser Woche hast du mich einem unverkennbaren Klingelton am frostigen Bahnsteig begrüßt. Im Anschluss folgte jedes Mal ein kurzes Knarzen und Krachen in der Leitung und eine nicht wirklich dialektfreie, aber dennoch freundliche Stimme begrüßte mich mit den Worten «Werte Fahrgäste, aufgrund einer Betriebsstörung auf den Linien U3 und U6 kommt es zu Abweichungen im Fahrplan von bis zu 10 Minuten.» Für mich heißt das dann immer, dem eisigen Wind zu trotzen und (?) mit hochgezogenen Schultern und bangem Blick auf das Eintreffen der nächsten U-Bahn zu warten. Das ist nicht wirklich angenehm.

Selbstverständlich ahne ich, welche Komplexität hinter einem pünktlichen Betrieb mehrerer Linien, vieler Bahnsteige und der Zufriedenstellung tausender Passagiere steckt. Nicht wahrhaben will ich aber die hohe Regelmäßigkeit, in der aus der Kombination „mindestens drei Schneeflocken“ und „Berufsverkehr“, immer das gleiche Ergebnis „Betriebsstörung“ wird. Das ist allerdings noch nicht einmal das Schlimmste, denn Züge können ausfallen und Abweichungen entstehen. Wäret ihr aber bitte so freundlich, euren Kunden das mitzuteilen? Am besten nicht erst am Bahnsteig oder beim Stempeln der Streifenkarte? Anstatt QR-Codes neben eure Abfahrtspläne zu pinseln, könntet ihr doch die iPhone App aktualisieren und einen Live-Ticker einführen. Wenn die Stimme aus dem Lautsprecher nach x Minuten die Ansage wiederholt, kann sie wohl in der Zwischenzeit die Meldung dazu im Internet absetzen. Die Option dafür gibt es ja bereits als blauen Kasten auf eurer Webseite. Bitte füllt diesen doch mit Inhalt und leitet es an eure Verkehrsgesellschaft weiter. Ihr könntet zu den Königen der Fahrplan-Planung werden, wenn die Routenberechnung den Fahrplan und aktuelle Störungen berücksichtigen würde. Im Jahr 2012 – da hat sowieso beinahe jeder Fahrgast in München ein iPhone oder anderes Smartphone – sollte das kein Problem darstellen. Allein von den 12€, die Münchner Studenten inzwischen mehr für ihre Monatskarten (im Ausbildungstarif) zahlen, hätten eine ganze Horde wirrer Entwickler beauftragt werden können, um eine wunderbare App zu entwickeln. Das habt ihr aber nicht gemacht und nun schwankt das Ergebnis irgendwo zwischen schade und ärgerlich.
Morgen werde ich wieder meine Tasche nehmen und zum Bahnsteig laufen. Es wird sich nichts geändert haben, denn die Informationspolitik wird wohl noch eine Weile mies bleiben. Ich habe meiner Verärgerung Luft gemacht und dabei sogar Porto gespart. Wahrscheinlich wäre die Bahn, die ich zum Briefmarkenkauf in die Innenstadt gebraucht hätte, sowieso ausgefallen.
Hochachtungsvoll,
ein selten pünktlich ankommender Passagier






