Verkehrsbetriebe und Frau Holle

Lieber Verkehrsbetrieb,

mit diesem Text möchte ich meiner Verärgerung Luft machen. Jeden Morgen in dieser Woche hast du mich einem unverkennbaren Klingelton am frostigen Bahnsteig begrüßt. Im Anschluss folgte jedes Mal ein kurzes Knarzen und Krachen in der Leitung und eine nicht wirklich dialektfreie, aber dennoch freundliche Stimme begrüßte mich mit den Worten «Werte Fahrgäste, aufgrund einer Betriebsstörung auf den Linien U3 und U6 kommt es zu Abweichungen im Fahrplan von bis zu 10 Minuten.» Für mich heißt das dann immer, dem eisigen Wind zu trotzen und (?) mit hochgezogenen Schultern und bangem Blick auf das Eintreffen der nächsten U-Bahn zu warten. Das ist nicht wirklich angenehm.

MVV im Winter

Selbstverständlich ahne ich, welche Komplexität hinter einem pünktlichen Betrieb mehrerer Linien, vieler Bahnsteige und der Zufriedenstellung tausender Passagiere steckt. Nicht wahrhaben will ich aber die hohe Regelmäßigkeit, in der aus der Kombination „mindestens drei Schneeflocken“ und „Berufsverkehr“, immer das gleiche Ergebnis „Betriebsstörung“ wird. Das ist allerdings noch nicht einmal das Schlimmste, denn Züge können ausfallen und Abweichungen entstehen. Wäret ihr aber bitte so freundlich, euren Kunden das mitzuteilen? Am besten nicht erst am Bahnsteig oder beim Stempeln der Streifenkarte? Anstatt QR-Codes neben eure Abfahrtspläne zu pinseln, könntet ihr doch die iPhone App aktualisieren und einen Live-Ticker einführen. Wenn die Stimme aus dem Lautsprecher nach x Minuten die Ansage wiederholt, kann sie wohl in der Zwischenzeit die Meldung dazu im Internet absetzen. Die Option dafür gibt es ja bereits als blauen Kasten auf eurer Webseite. Bitte füllt diesen doch mit Inhalt und leitet es an eure Verkehrsgesellschaft weiter. Ihr könntet zu den Königen der Fahrplan-Planung werden, wenn die Routenberechnung den Fahrplan und aktuelle Störungen berücksichtigen würde. Im Jahr 2012 – da hat sowieso beinahe jeder Fahrgast in München ein iPhone oder anderes Smartphone – sollte das kein Problem darstellen. Allein von den 12€, die Münchner Studenten inzwischen mehr für ihre Monatskarten (im Ausbildungstarif) zahlen, hätten eine ganze Horde wirrer Entwickler beauftragt werden können, um eine wunderbare App zu entwickeln. Das habt ihr aber nicht gemacht und nun schwankt das Ergebnis irgendwo zwischen schade und ärgerlich.

Morgen werde ich wieder meine Tasche nehmen und zum Bahnsteig laufen. Es wird sich nichts geändert haben, denn die Informationspolitik wird wohl noch eine Weile mies bleiben. Ich habe meiner Verärgerung Luft gemacht und dabei sogar Porto gespart. Wahrscheinlich wäre die Bahn, die ich zum Briefmarkenkauf in die Innenstadt gebraucht hätte, sowieso ausgefallen.

Hochachtungsvoll,
ein selten pünktlich ankommender Passagier

Roger McNamee – Microsoft & Google werden ihr Kerngeschäft verlieren

Gerade eben habe ich dieses unglaublich spannende Video gefunden, welches Roger McNamee während eines TEDxSantaCruz Talks zeigt. Der Mann ist interessant, weil er einerseits Partner einer Venture Capital Gesellschaft ist und außerdem als Musiker durch das Land tourt.

Viel spannender sind aber seine Thesen zu Microsoft und Google, welche ihre verlorene Macht im Kerngeschäft nicht wiedererlangen werden, sondern Wachstum in anderen Bereichen realisieren müssen. Apps werden das Web wie wir es kennen künftig noch stärker beeinflussen und HTML5 viele Dinge verändern.

Facebook is the new Windows

TEDx

Das Aus für Dr. House zu einem guten Zeitpunkt

Nun steht es fest: Dr. House wird noch in diesem Frühjahr, nach inzwischen 8 Staffeln eingestellt. 177 Episoden mit dem genialen Doktor, seinem hervorragendem Team und der Freundschaft mit Wilson. Diese Serie hatte einfach alles: spannende Fälle, eine unbezwingbare Freundschaft, Liebelei und Auseinandersetzungen, tragische Momente und schier unlösbare Rätsel. Hugh Laurie spielte den Arzt in allen 8 Staffeln herausragend. Dennoch war bei House schon eine Weile die Luft raus.

Dr House und Wilson

Die Produzenten schafften es die Spannung trotz des immer wiederkehrenden Episodenschemas am Leben zu halten. Große Ereignisse bzw. Brüche in der Story führten die Serie letztendlich aber doch an den Serienhorizont, was die Absetzung vor dem Quotentod logisch macht.

Das Team um House löste sich nach der dritten Staffel auf. Auf der einen Seite schaffte das viel Spielraum für den Meister der Diagnose und den Konflikt mit Wilson und Cuddy, doch für mich war Hugh Laurie allein nie der Meister im Ring. Das Zusammenspiel, die gemeinsame Diagnose und die Probleme der anderen Charaktere machten diese Serie großartig. Ich hatte stellenweise keine Lust darauf diese krampfhaft initiierte Teamsuche mit dem Charakter einer Castingshow anzuschauen. Olivia Wilde war das einzige Highlight, denn die kannte und mochte ich schon seit The O.C. Mein Persönlicher Serienhöhepunkt war die Einweisung von Dr. House in die Psychiatrie und seine Suchtbehandlung. Die Story war unglaublich gut und da passte einfach alles. Auch seine Rückkehr ans Princeton-Plainsboro, Foreman als Chef und die Rückkehr des ursprünglichen Teams waren fantastisch. Danach ging es weiter bergab, nachdem Cameron und Chase das Krankenhaus verlassen und nun „13“ und Taub in die Abteilung (zurück)kehren. Irgendwie konnte diese Zusammensetzung nie die Größe und Genialität von Staffel 1-3 erreichen. Das lag nicht immer an den Charakteren und auch die Fälle waren weiterhin spannend, aber diese Wendungen der Geschichte führten einfach nicht zu mehr Schwung in der Serie. Die Liebesbeziehung zu Cuddy war nett und doch leider vorhersehbar. Wer an ein Happy End zwischen den Beiden glaubte wurde mit Recht enttäuscht. Sowas funktioniert einfach nicht bei Dr. House und zum Glück blieben die Produzenten ihrer Charakterlinie treu. Alles eskalierte und dennoch war der Gefängnisaufenthalt zwar für einen kurzen Moment cool, änderte aber nichts an der Serie. Hoffentlich wird das Finale großartig.

Ich möchte keineswegs sagen, dass Dr. House über die Zeit grundlegend schlecht geworden ist. Diesen Titel hält noch immer die Serie One Tree Hill, welche seit dem Abschied von Lucas und Peyton nicht mehr funktioniert. Die Luft ist einfach raus und mit der Zeit nervt auch das immer wiederkehrende Schema inklusive „Everybody lies“ unseres Lieblingsdoktors. Der Horizont ist erreicht und zum Glück noch nicht überschritten. Nach Chuck wird Dr. House nun also die zweite Absetzung in diesem Jahr und für beide Shows gilt: guter Zeitpunkt.

Bild via fox.com/house

Lesenswerte Wirtschaftsblogs

Im Dezember habe ich mich über die einseitigen Informationsquellen beschwert, welche von zu vielen als das Nonplusultra der Berichterstattung gesehen werden. Zu Recht kam in den Kommentaren die Frage nach meinen “Quellen” auf. Das beantworte ich gern mit einigen Neuentdeckungen.

Diese kleine Auswahl an erst kürzlich entdeckten Blogs sollte in den Feedreader aufgenommen oder zumindest näher betrachtet werden. Es ist angenehm, nicht nur im Handelsblatt oder der FAZ zu stöbern, bzw. deren Leserkommentare zu hinterfragen, sondern das eigene Wirtschaftsinteresse mit frischen Informationen zu versorgen.

Europa ist mehr als die Frage nach Geld

Helmut Schmidt EU

Bild via Helmut Schmidt Journalistenpreis

Nach einer Diskussion über Ratingagenturen und deren Kontrollorgan muss endlich ein Pro Europa Artikel erscheinen. Ich würde mich übrigens über weitere Meinungen auf Quote.fm freuen. Schließlich habe ich noch einen Invite-Code zu vergeben.

Doch nun zurück zum eigentlichen Thema. Inzwischen scheint die Antwort auf jede Frage nach Sinn oder Möglichkeit in finanzpolitisches Geschehen einzugreifen in in einer völlig falschen Richtung zu enden: Europa als Ganzes in Frage zu stellen. Ich glaube, dass die Bedeutung der Europäischen Union vielerorts aus gesellschaftlichem Gesichtspunkt nicht verstanden worden ist und man nun alles Übel nach Brüssel schieben möchte. Normalerweise zitiere ich nicht gern aus ausschließlich einem Text doch hier ist es angebracht und freilich unabhängig jedes Parteihintergrunds zu betrachten. Helmut Schmidt gehört für mich als ehemaliger Bundeskanzler und inzwischen “alter Mann” zu denjenigen, deren Wort ausreichend politisches Gewicht mitbringt. In seiner Rede vom Dezember 2011 hob er die Rolle von „Deutschland in und mit Europa“ wunderbar hervor.

«Europa ist nicht nur eine Antwort auf 1945, sondern auch eine Antwort auf 1914/18 und eine Antwort auf 1871, 1866, 1864, auf 1813/14 und 1806.»

Europa steht für das friedliche Miteinander der Menschen auf diesem Kontinent. Es ist außerdem das Zusammenführen von Gesellschaften und die gemeinsame Arbeit an unserer Zukunft. Deutschland hat nach dem 2. Weltkrieg die Chance bekommen Teil dieses Gebildes zu werden und zum Glück arbeiten wir nun daran es zu erhalten. Motive dafür sind seit Jahrhunderten geprägt worden und ich wage die These: die Angst gegenüber einer starken deutschen Macht im Herzen Europas geht bis auf den Wiener Kongress 1814/15 und wahrscheinlich noch weiter zurück. Allein der Zeithorizont dieser europäischen Urangst bedingt ein wohl überlegtes Vorgehen in Berlin. Meine Generation, also die heute 20-30jährigen sind in ganz Deutschland als Europäer aufgewachsen. Egal ob aus den alten oder neuen Bundesländern waren wir diejenigen die als ein gemeinsames Volk alle Vorteile bereits seit Jahren nutzen. Damit sind wir die Ersten in unserer Heimat.

«Jede einzelne der europäischen Nationen wird 2050 nur noch einen Bruchteil von 1 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Das heißt: Wenn wir die Hoffnung haben wollen, dass wir Europäer eine Bedeutung für die Welt haben, dann können wir das nur gemeinsam. Denn als einzelne Staaten – ob Frankreich, Italien, Deutschland oder ob Polen, Holland oder Dänemark oder Griechenland – kann man uns am Ende nicht mehr in Prozentzahlen, sondern nur noch in Promillezahlen messen.»

Europa ist mehr als eine wirtschaftspolitische Frage. In der Union wird die Position der europäischen Völker in der Welt vertreten. Bereits das Bevölkerungswachstum anderer Regionen sollte uns die Bedeutung des gemeinsamen Auftretens in der Weltpolitik bewusst machen. Das Zentrum des Geschehens liegt immer weniger zwischen London und Berlin, sondern zunehmend in Asien oder dem südamerikanischen Raum. Wenn die Amerikaner allein aus der Geschichte heraus noch Interesse an uns haben, so ist das ferneren Kulturen bereits fremd.

Wir können nur als Gemeinschaft erfolgreich unsere Interessen vertreten. Ein Ausschluss von Mitgliedern spricht dem vollkommen entgegen. Unsere Aufgabe muss also der Erhalt und die Unterstützung der Mitgliedsstaaten sein. Solidarität und Wirtschaftsliberalismus passen oft nicht zusammen. Zwischen Gesellschaften kann sie funktionieren.

«Aber es gibt in vielen europäischen Hauptstädten und ebenso in den Medien mancher unserer Nachbarstaaten abermals eine wachsende Besorgnis vor deutscher Dominanz. Dieses Mal handelt es sich nicht um eine militärisch und politisch überstarke Zentralmacht, wohl aber um ein ökonomisch überstarkes Zentrum!»

Frau Merkel macht an der Seite von Frankreichs Regierungschef Sarkozy eine ausgesprochen smarte Politik. Viele Fäden in der Hand und doch die öffentlichkeitswirksamen Auftritte abgeben. Das beugt historischen Ängsten vor.
Eine “Transferunion” nach dem Beispiel der deutschen Länderfinanzausgleiche muss nicht die Lösung unserer Probleme sein. Dennoch sollten alle Optionen betrachtet werden. Ganz klar gehören wir zu denjenigen, die die größten Vorteile aus der EU ziehen. Die wirtschaftliche Macht spiegelt sich zum Glück in politischer Verantwortung wieder. In der Hoffnung das eigene Land weder zu vergessen noch als alleiniges Zentrum zu sehen, muss ständig – mit Vorsicht – an Europa “weitergebaut” werden.

«Wir Deutschen dürfen uns dem nicht national-egoistisch verweigern.»

Fragt man die Politiker der Generationen vor uns so werden sie antworten: wir haben Deutschland in der EU stark gemacht. Es zu der heutigen Wirtschaftsgröße aufgebaut. Irgendwann möchte ich auf die führenden Kräfte dieser Tage zurückblicken und sagen: Hier wurde Europa zusammen gehalten.


Quote.fm Logo Blue
Quote.fm ist eine Plattform um lesenswerte Texte über ein treffendes Zitat weiterzuempfehlen. Im Februar habe ich die Ehre Kurator für den Bereich Wirtschaft zu sein und einen begehrten Invite-Code zu vergeben. Dieser geht an jemanden der einen besonders guten Kommentar zu diesem Artikel schreibt, den Beitrag teilt (und mir das sagt) und seinen Quote.fm Account verlinkt. Macht auf euch aufmerksam, aber passend zur Diskussion.

Kathryn Calder – Who Are You?

Kathryn Calder ist eine weitere tolle kanadische, Indie-Rock spielende Dame. Erste Auftritte machte sie mit The New Pornographers und Immaculate Machine, bevor sie sich 2010 mit Are You My Mother? auch auf die Solobühne traute.

Ein etwas abgedrehtes Video zu einem fantastischen Song und Kathryns wunderbarer Stimme.

Kathryn Calder

Facebook auf dem Weg an die Börse

Facebook SEC 1 Börse
Gestern Nacht war es nun endlich soweit. Vom Aufschrei der Zeitungen eingeleitet und von tosendem Beifall oder Verwunderung in allen Social Media Kanälen begleitet, reichte Facebook die für den IPO notwendigen Unterlagen bei der United States Securities and Exchange Commission ein. Da die meisten Tagesnachrichten heute öfter das gleiche schreiben werden und ich mich in den letzten Tagen sowieso ein wenig damit befasst habe, werde ich einige interessante Punkte des Prospekts durchgehen und hier einfügen. Eventuell kommt es dann im Laufe der nächsten Tage zu weiteren Ergänzungen. Wie immer gilt: keine Garantie auf Vollständigkeit oder korrekte Wiedergabe. Doch ich gebe mein Bestes.

  • Die wichtigste Antwort zuerst: Facebook ist profitabel! Bei 3.7 Mrd. Dollar Umsatz 2011 blieben genau 1 Mrd. Dollar Gewinn übrig. Sie haben keine Schulden und etwa 4 Mrd. Dollar Cash. Zyanga macht etwa 12% vom Umsatz aus und dürfte den größten Teil vom 17%igen Payment-Sektor abdecken. Der Rest sind Werbeeinnahmen und bei ihnen liegt auch künftig das größte Potential.
  • Netzwerkfakten: 845 Millionen aktive Nutzer pro Monat; 2.7 Mrd. Likes & Kommentare und 250 Millionen Fotos pro Tag bei 100 Mrd. geschlossenen Freundschaften. Die Entwicklung der Nutzerzahlen ist dabei stabil geblieben und steigt weiter gleichmäßig an. Die Anzahl an täglich aktiven Nutzern wurde von Dezember 2010 auf Dezember 2011 um 48% auf 483 Millionen gesteigert. Das ist beachtlich!
  • Das Volumen des Börsengangs beträgt 5 Milliarden Dollar (3,94 Milliarden Euro). Ursprünglich standen 10 Milliarden im Raum. Eventuell ist das ein vorsichtiges Herantasten an den Markt um später zu erhöhen.
  • Wer hofft durch den Börsengang von Facebook richtig reich zu werden, der sollte sich zuerst die Grafik der aktuellen Aktionäre bei Gizmodo anschauen.
  • Wie berichtet wird (FTD) wird Facebook auf einen Marktwert zwischen 75 und 100 Mrd. Dollar geschätzt. In einer ähnlichen Liga spielen Siemens und der Volkswagen-Konzern. Google wurde beim IPO mit 23 Mrd. Dollar bewertet. Heute ist der Suchmaschinengigant etwa 189 Mrd. Dollar wert. Apple 426 Milliarden.
  • Facebook gibt es wichtigsten Punkt ihrer zukünftigen Strategie die Vergrößerung ihrer Nutzerbasis an. Neben Brasilien, Indien, Japan und Russland wird dort auch Deutschland genannt. Hierzulande haben nur etwea 20-30% der Bevölkerung einen FB-Account. Außerdem will das Social Network auf Social Products, User Experience und Mobil Experience setzen. Hoffentlich kommt hier eine bessere iPhone App heraus.
  • Das Handelsblatt berichtet, dass Mark Zuckerberg es Steve Jobs gleich machen will und für 1$ Gehalt arbeiten wird. 2011 bezahlte das Unternehmen ihm aber Flüge im Wert von 693.000 Dollar.

Im Lauf der nächsten Tage und Wochen werden weitere Details ans Tageslicht kommen. Bisher sieht es nicht so aus als hätte Facebook Fehler wie zuletzt Groupon mit seinem Prospekt gemacht und die Zahlen sehen solide aus. Bleibt natürlich weiterhin die Frage ob ein Soziales Netzwerk derart viel Geld wert ist und wie sich der Aktienwert am Markt verhalten wird. Dazu kommt es frühestens im Mai.

Bestellwahn

Neben mir stehen zwei graue Kartons mit “Amazon”-Aufschrift und ich fragte mich beim Lesen der Geschichte hinter Tom Königs neuer Winterjacke welchen Einfluss Onlinebestellungen inzwischen auf mein Leben haben.

Amazon Logo

Im letzten Jahr löste ich 17 Bestellungen über das Internet aus. Bei allen Aufträgen zahlte ich trotz Versand- und gelegentlich auch Expressversandkosten weniger als im örtlichen Einzelhandel. Dabei ist die Anzahl der Paketlieferungen nichtmal das verwunderliche, sondern ihr Einfluss auf das generelle Kaufverhalten. Ging ich vor einigen Jahren in ein Geschäft um Beraten zu werden, bin ich da heute nur noch zum Anschauen oder Anfassen. Kundenbewertungen und persönliche Empfehlungen haben das klassische Verkaufsgespräch abgelöst. Außerdem kaufe ich viele Dinge nichtmehr im örtlichen Einzelhandel. Transport in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist anstrengend, Aufwand zu groß und was gibt es denn bequemeres als die Lieferung bis zur Wohnungstür?

Gekauft wird beinahe alles was nicht Lebensmittel ist und bis zum nächsten Morgen warten kann, denn länger dauert das ganze nichtmehr. Bei mir war das Technik wie Kabel, Festplatte, Notebook- und Fotozubehör einschließlich Batterien. Aber auch Bücher im Amazon Marketplace die für winziges Geld bis aus Südamerika kamen, Bürobedarf und eine Packung meiner Lieblingsfineliner. Alles günstiger als im Laden. Die nächste Stufe wären dann Lebensmittel wie Himbeersirup, Nudeln, Pesto und Olivenöl. Eben Dinge die nicht kühl gelagert werden müssen. Inzwischen ist bei der Überlegung “Wo kann ich das nun wieder kaufen?” der erste Griff immer das Smartphone. Selten lande ich später in einem Münchner Geschäft.

M A U S I – sol.

Fröhliche Klänge zum nicht vorhandenen Sommer wohl ein Eigenregievideo. M A U S I ist die englisch-italienische Band welche sich an der Universität Newcastle mit Indie-Elektrosound befasst und die späte Sommerhymne liefert.

Drüben bei Bandcamp gibt es den Song kostenlos.

MAUSI - sol

Präsentationsplanung – Die Geschichte gewinnt

AbsP_v1

Als durch und durch digital lebender Mensch gibt es inzwischen nur noch wenige Bereiche in denen es ohne Bildschirm geht. Inzwischen scanne ich Mitschriften aus meinen Vorlesungen oder Übungen, habe seit zwei Monaten keine Druckerpatrone mehr und überlege ernsthaft ein Amazon Kindle anzuschaffen. Das ist nichtmal der zwanghafte Versuch alle “analogen” Alltagsgegenstände im Büro oder Universitätsalltag zu ersetzen, sondern einfach der Zahn der Zeit. Oder so. Dabei mag ich es ein Notizbuch zu führen und alles was mir so begegnet darin festzuhalten.

Präsentationen plane ich weiterhin auf Papier. Das wird sich so schnell auch nicht ändern.

PPT analog

Unser Projekt neigt sich dem Ende und üblicherweise werden wir im Rahmen einer klassischen Abschlusspräsentation die Schlussglocke läuten. Leider sind mir bisher viel zu viele schlechte und total überladene Powerpointaufführungen begegnet. Es wäre schade um hunderte Arbeitsstunden, wenn unsere Ergebnisse nicht die gerechtfertigte Aufmerksamkeit bekommen, oder unser Auftraggeber lieber auf seinem Handout rumkritzelt statt uns zuzuhören. Ich habe viel Zeit mit dem Team und allein verbracht um die Fülle an Informationen aufzubereiten und einschließlich unserer Empfehlung in ein würdiges Format zu bringen. Powerpoint ist nicht per se schlecht.

Das wichtigste an der Präsentation ist die Geschichte dahinter. Geschichte im Sinn eines roten Fadens oder der Argumentationskette die mit Ergebnissen ausgestattet wird. Jeder Roman folgt einer logischen Gliederung. Einleitung, Hauptteil, Schluss. So wie man die Charaktere im ersten Teil einführt, so muss auch die Präsentation begonnen werden. Diese Planung mache ich handschriftlich auf Papier in irgendeiner ruhigen Minute. Obwohl ich viele Diagramme mit OmniGraffle erstelle würde das hier nicht funktionieren. Notizbuch und Stift sind die Waffen der Wahl. Der Hauptteil der Arbeit findet vor dem Bauen von Powerpointfolien statt. Diese sind schnell erstellt und für die Faulen gibt es schließlich PPT Timesaver mit Charts, Aufteilungen und vorgefertigten Templates. Doch welche Geschichte ist empfehlenswert?

Wir haben eine Organisation geplant und verschiedene Szenarios entwickelt. Unsere Arbeit basiert auf einem in der Zwischenpräsentation definierten Grundsatz, welcher ergänzt und mit Hintergrundinformationen unterfüttert wird. Aus dem Grundaufbau eines Buchs abgeleitet, möchte ich nun folgenden Konstruktion vorstellen die sich mehrfach bewährt hat: Ausgangssituation – Vorgehen – Szenarios – Zusammenfassung & Ausblick. Das alles ist kein Hexenwerk, aber der Teufel steckt im Detail. Wir müssen aufzeigen aus welcher Situation heraus wir am Projekt gearbeitet haben, beweisen dass unser Vorgehen logisch und methodisch korrekt ist, beschreiben welche Konsequenzen sich daraus ableiten und wo sich Szenarios entwickeln um einen Handlungsplan offenzulegen.

Plan PPT Slides
  • Ausgangssituation. Wir müssen unseren Auftraggeber noch einmal inhaltlich abholen und unsere Ziele darlegen. Das ist wichtig um die Projektgrenzen abzustecken. Hier soll keineswegs irgendetwas vertuscht oder verheimlicht werden, doch öfters gehen Rahmenbedingungen verloren oder verschieben sich während der Bearbeitungsphase. Klare Kommunikation zwischen Team und Auftraggeber wird vorausgesetzt, denn all dies ist vorher definiert worden. Außerdem ist es wichtig das große Ganze darzustellen. Wer sich mit Simon Sinek und dem Golden Circle auseinandergesetzt hat, der weiß auch wieso Unternehmen wie Apple Erfolg gut vermarkten. Das Ergebnis der Zwischenpräsentation war eine Unternehmensstrategie die als Grundpfeiler aller weiteren Arbeitpakete gilt. Daran müssen wir erinnern um sie allen Anwesenden noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.
  • Vorgehen. In Beratungsprojekten könnte man das Blaue vom Himmel versprechen und aufgrund der Komplexität beinahe wahnwitzige Konstruktionen zusammenstellen. Deswegen finde ich es wichtig das Vorgehen zu beschreiben, welches zu den Inhalten der Präsentation geführt hat. Hier soll keine theoretische Abhandlung bekannter Methoden erscheinen, sondern vom Projektstrukturplan ausgehend die Arbeit der letzten Wochen validiert werden. Wieso wurde in welche Richtung recherchiert? Gab es Interviewpartner und was waren die Inhalte der Gespräche? Gibt es theoretische bzw. wissenschaftliche Grundlagen die herangezogen worden sind? Wir erläutern hier eine Darstellung die alle unsere Ergebnisse visualisiert.
  • Szenarios. Mit Hilfe von Szenarios können Ergebnisse perfekt aufbereitet werden. Einerseits deckt man die Palette aller recherchierten Bausteine ab und zeigt den vollständigen Umfang. Andererseits kann man seine Empfehlung auf sehr smarte Art und Weise verpacken. Ich halte es (am Beispiel von drei Szenarios) für sinnvoll, wenn zwei davon vorgestellt werden und man danach eine zusammenfassende Folie einbaut. Dort wird einerseits gezeigt was die beiden Fälle abdecken und hier sollte auch die noch immer bestehende Lücke klar werden. Dieses Vakuum wird das Empfehlungsszenario füllen. Die Zwischenfolie hat also auch den Zweck eine bewusste Pause einzubringen bevor man zum Höhepunkt der Präsentation kommt. Das ist spannungstechnisch super und führt die angefangene Logik fort. Das Best-Case Szenario muss alle Bereiche des Projektauftrages abdecken, detailliert beschrieben und kritisch beleuchtet werden. Wir nutzen neben Übersichts- auch Detailfolien für einzelne Komplexe. Außerdem ist ein Action Plan bzw. ein Phasenplan zur Umsetzung gut. Zum Schluss empfiehlt sich eine SWOT-Analyse und der offene Umgang mit möglichen Problemfeldern. Alles was verborgen wird führt nur zu unnötigen Fragen.
  • Zusammenfassung & Ausblick. Die Würfel sind gefallen und alle Inhalte sollten vermittelt werden. Obwohl es schon in der ersten Präsentationsminute kein zurück mehr gab, muss jetzt ein würdiger Projektabschluss gefunden werden. Der Auftraggeber sollte überzeugt sein und das Team alle seine Fragen beantworten können. Wir werden hier auf unsere Ausgangssituation zurückführen und den Punkt: “Haben wir alle Ergebnisse erreicht?” angehen. Unsere Lösung muss funktionieren und das wird sie auch. Eine gute Präsentation schließt man nicht mit einer “Vielen Dank”-Folie, sondern mit dem zufriedenen Gesicht des Auftraggebers. Und den eigenen Kontaktdaten um bei späteren Folgeprojekten berücksichtigt zu werden.