Präsentationsplanung – Die Geschichte gewinnt
Als durch und durch digital lebender Mensch gibt es inzwischen nur noch wenige Bereiche in denen es ohne Bildschirm geht. Inzwischen scanne ich Mitschriften aus meinen Vorlesungen oder Übungen, habe seit zwei Monaten keine Druckerpatrone mehr und überlege ernsthaft ein Amazon Kindle anzuschaffen. Das ist nichtmal der zwanghafte Versuch alle “analogen” Alltagsgegenstände im Büro oder Universitätsalltag zu ersetzen, sondern einfach der Zahn der Zeit. Oder so. Dabei mag ich es ein Notizbuch zu führen und alles was mir so begegnet darin festzuhalten.
Präsentationen plane ich weiterhin auf Papier. Das wird sich so schnell auch nicht ändern.
Unser Projekt neigt sich dem Ende und üblicherweise werden wir im Rahmen einer klassischen Abschlusspräsentation die Schlussglocke läuten. Leider sind mir bisher viel zu viele schlechte und total überladene Powerpointaufführungen begegnet. Es wäre schade um hunderte Arbeitsstunden, wenn unsere Ergebnisse nicht die gerechtfertigte Aufmerksamkeit bekommen, oder unser Auftraggeber lieber auf seinem Handout rumkritzelt statt uns zuzuhören. Ich habe viel Zeit mit dem Team und allein verbracht um die Fülle an Informationen aufzubereiten und einschließlich unserer Empfehlung in ein würdiges Format zu bringen. Powerpoint ist nicht per se schlecht.
Das wichtigste an der Präsentation ist die Geschichte dahinter. Geschichte im Sinn eines roten Fadens oder der Argumentationskette die mit Ergebnissen ausgestattet wird. Jeder Roman folgt einer logischen Gliederung. Einleitung, Hauptteil, Schluss. So wie man die Charaktere im ersten Teil einführt, so muss auch die Präsentation begonnen werden. Diese Planung mache ich handschriftlich auf Papier in irgendeiner ruhigen Minute. Obwohl ich viele Diagramme mit OmniGraffle erstelle würde das hier nicht funktionieren. Notizbuch und Stift sind die Waffen der Wahl. Der Hauptteil der Arbeit findet vor dem Bauen von Powerpointfolien statt. Diese sind schnell erstellt und für die Faulen gibt es schließlich PPT Timesaver mit Charts, Aufteilungen und vorgefertigten Templates. Doch welche Geschichte ist empfehlenswert?
Wir haben eine Organisation geplant und verschiedene Szenarios entwickelt. Unsere Arbeit basiert auf einem in der Zwischenpräsentation definierten Grundsatz, welcher ergänzt und mit Hintergrundinformationen unterfüttert wird. Aus dem Grundaufbau eines Buchs abgeleitet, möchte ich nun folgenden Konstruktion vorstellen die sich mehrfach bewährt hat: Ausgangssituation – Vorgehen – Szenarios – Zusammenfassung & Ausblick. Das alles ist kein Hexenwerk, aber der Teufel steckt im Detail. Wir müssen aufzeigen aus welcher Situation heraus wir am Projekt gearbeitet haben, beweisen dass unser Vorgehen logisch und methodisch korrekt ist, beschreiben welche Konsequenzen sich daraus ableiten und wo sich Szenarios entwickeln um einen Handlungsplan offenzulegen.
- Ausgangssituation. Wir müssen unseren Auftraggeber noch einmal inhaltlich abholen und unsere Ziele darlegen. Das ist wichtig um die Projektgrenzen abzustecken. Hier soll keineswegs irgendetwas vertuscht oder verheimlicht werden, doch öfters gehen Rahmenbedingungen verloren oder verschieben sich während der Bearbeitungsphase. Klare Kommunikation zwischen Team und Auftraggeber wird vorausgesetzt, denn all dies ist vorher definiert worden. Außerdem ist es wichtig das große Ganze darzustellen. Wer sich mit Simon Sinek und dem Golden Circle auseinandergesetzt hat, der weiß auch wieso Unternehmen wie Apple Erfolg gut vermarkten. Das Ergebnis der Zwischenpräsentation war eine Unternehmensstrategie die als Grundpfeiler aller weiteren Arbeitpakete gilt. Daran müssen wir erinnern um sie allen Anwesenden noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.
- Vorgehen. In Beratungsprojekten könnte man das Blaue vom Himmel versprechen und aufgrund der Komplexität beinahe wahnwitzige Konstruktionen zusammenstellen. Deswegen finde ich es wichtig das Vorgehen zu beschreiben, welches zu den Inhalten der Präsentation geführt hat. Hier soll keine theoretische Abhandlung bekannter Methoden erscheinen, sondern vom Projektstrukturplan ausgehend die Arbeit der letzten Wochen validiert werden. Wieso wurde in welche Richtung recherchiert? Gab es Interviewpartner und was waren die Inhalte der Gespräche? Gibt es theoretische bzw. wissenschaftliche Grundlagen die herangezogen worden sind? Wir erläutern hier eine Darstellung die alle unsere Ergebnisse visualisiert.
- Szenarios. Mit Hilfe von Szenarios können Ergebnisse perfekt aufbereitet werden. Einerseits deckt man die Palette aller recherchierten Bausteine ab und zeigt den vollständigen Umfang. Andererseits kann man seine Empfehlung auf sehr smarte Art und Weise verpacken. Ich halte es (am Beispiel von drei Szenarios) für sinnvoll, wenn zwei davon vorgestellt werden und man danach eine zusammenfassende Folie einbaut. Dort wird einerseits gezeigt was die beiden Fälle abdecken und hier sollte auch die noch immer bestehende Lücke klar werden. Dieses Vakuum wird das Empfehlungsszenario füllen. Die Zwischenfolie hat also auch den Zweck eine bewusste Pause einzubringen bevor man zum Höhepunkt der Präsentation kommt. Das ist spannungstechnisch super und führt die angefangene Logik fort. Das Best-Case Szenario muss alle Bereiche des Projektauftrages abdecken, detailliert beschrieben und kritisch beleuchtet werden. Wir nutzen neben Übersichts- auch Detailfolien für einzelne Komplexe. Außerdem ist ein Action Plan bzw. ein Phasenplan zur Umsetzung gut. Zum Schluss empfiehlt sich eine SWOT-Analyse und der offene Umgang mit möglichen Problemfeldern. Alles was verborgen wird führt nur zu unnötigen Fragen.
- Zusammenfassung & Ausblick. Die Würfel sind gefallen und alle Inhalte sollten vermittelt werden. Obwohl es schon in der ersten Präsentationsminute kein zurück mehr gab, muss jetzt ein würdiger Projektabschluss gefunden werden. Der Auftraggeber sollte überzeugt sein und das Team alle seine Fragen beantworten können. Wir werden hier auf unsere Ausgangssituation zurückführen und den Punkt: “Haben wir alle Ergebnisse erreicht?” angehen. Unsere Lösung muss funktionieren und das wird sie auch. Eine gute Präsentation schließt man nicht mit einer “Vielen Dank”-Folie, sondern mit dem zufriedenen Gesicht des Auftraggebers. Und den eigenen Kontaktdaten um bei späteren Folgeprojekten berücksichtigt zu werden.


