Lana Del Rey – Born To Die
Album Review

Die wohl meistgehypte Künstlerin des letzten Jahres – Lana Del Rey – betritt die Musikbühne nun endlich mit einem ganzen Album im Gepäck. Bisher kannte man nur einzelne Songs und musste sich auf ihre früheren, unbekannteren Tage als Elizabeth “Lizzy” Grant berufen um ihr Werk zu beurteilen. Doch genau das war zum Glück nicht möglich, denn mit der Erschaffung Lana Del Reys prägte sie ihren persönlichen Stil neu. Nach den Super 8 Videos zu Video Games und Blue Jeans setzte sie ihren Erfolg mit Born to Die fort und heizte den Hype kontinuierlich an. Zu Recht, denn wenn sie “It’s you, it’s you, it’s all for you – Everything I do” ins Mikrofon hauchte fielen ihr nicht nur Männerherzen zum Opfer. Mit ihren Auftritten, dem Erfolg erst beim zweiten Versuch und einem mächtigen Label im Rücken mehrten sich zuletzt auch kritische Stimmen. Es wurde Zeit hinter die Fassade der ersten Berichterstattung zu schauen und das ist mit ihrem Album Born To Die nun endlich möglich. Im folgenden Review möchte ich mich zum Album äußern und einen Blick in die Glaskugel werfen um eine Prognose für die Zukunft abzugeben.

Nach ihren Liveauftritten und ersten Meinungen konnte man schon einen gewissen “Faible für Hip-Hop” vermuten. In ihren bisherigen Singles hat sich das nicht sonderlich bestätigt, doch im INTRO #199 las ich von Eminem und The Notorious B.I.G. Das macht nicht nur Sinn, sondern gefällt mir ausgesprochen gut. Im Album stellt das einen gewissen Bruch dar, der es aber äußerst abwechslungsreich macht wenn nach Born to Die die Nummer Off to the Races folgt. Diet Mountain Dew gehörte im Vorfeld zu den von mir am meisten erwarteten Songs und überzeugt mich weiterhin. Die Kombination aus Elizabeths klarer Stimme und simplen Beats macht ihn zu meinem Highlight des Albums. Mit National Anthem geht es musikalisch weiter, doch schon in Dark Paradise und Radio wird klar wie großartig und geradlinig guter Pop sein kann. Carmen gefällt mir hingegen trotz feinem Gesang nicht sonderlich. In Million Dollar Man baut sie eine hollywoodreife Geschichte auf und verpackt sie in einer ruhigen Ballade. Der wohl feinste Popsound wird im Song Summertime Sadness gezeigt, welcher schon bei ihrem Auftritt im Bowery Ballroom NYC unglaublich catchy war. This Is What Makes Us Girls erzeugt den gleichen Effekt und lebt wieder vom Zusammenspiel der klaren Stimme, einer gut verpackten Story und ein wenig mehr Geschwindigkeit. Kurz: Diet Mountain Dew > Summertime Sadness > Blue Jeans. Soviel zu meinen persönlichen Favoriten.

Lana Del Reys Debütalbum Born To Die ist rundum gut, solide, eine logische Weiterführung ihrer ersten Auftritte und dennoch ganz klar auch von ihren Produzenten verfeinert. Doch das trifft sich gut, denn wir haben keine alternative Indie-Dame vor uns sondern die Persönlichkeit Elizabeth Grant. Wunderbarer Pop trifft sauber eingestreute Hip-Hop Einflüsse und umwerfende Songtexte. Klare Kaufempfehlung!
Ich fand einige Artikel der zuletzt geschriebenen Berichterstattung nicht fair. Vorwürfe ein Produkt der Plattenfirmen zu sein halte ich einfach für falsch. Selbstverständlich stilisiert man sie (vor allem durch die Medien) zur Ikone, doch diese “Außenansicht” widerlegt sie in meinen Augen regelmäßig mit ihren Interviews. Da tritt sie als völlig normal aufgewachsene Frau auf die für ihre Songs lebt. Da kann ich nicht an die PR-Kampagne im Hintergrund glauben. Das will und muss man auch nicht, denn Born To Die überzeugt mich von ihr. Besonders interessant wird es sobald man über die Zukunft dieser jungen Frau nachdenkt. Was kommt nach dem Album? Wird es eine Tour geben? Wie wird sie sich dabei schlagen? Muss es noch einmal einen so großen Hype geben um Erfolg zu haben? Kann man so einen Hype überhaupt ein zweites Mal erzeugen? Markus bringt die Kritik gut auf den Punkt. Ihr Auftritt bei Saturday Night Live war mehr als peinlich und doch möchte ich sie nicht als gefeierten Popstar, der grandios an sich selbst scheiterte abstempeln. Sie geht offen mit ihrer Schwäche für Bühnenauftritte um und das überzeugt mich. Dennoch wird es von nun an schwer, denn der erste Bonus ist verspielt. Ohne eine gelungene Tour wird sie sich nicht am Pophimmel festsetzen können und dafür muss ihre Liveperformance mächtig zulegen. Lana Del Rey ist keine neue Madonna und wird es auch nie werden. Sie sollte aber auch erst recht nicht das Bauernopfer der Presse oder der Spielball des Labels sein. Die nächsten Wochen werden zeigen in welche Richtung es mit Elizabeth gehen wird.
Wahrscheinlich sollten wir die Dame einfach machen lassen und uns dann eventuell an weiteren Highlights wie Video Games erfreuen. Auf die Frage ob wir hier Hype oder Talent sehen kann bisher keine Antwort gegeben werden, doch meine Einschätzung bleibt definitiv bei Talent.






















